Einbruchschutz für Fenster – RC-Klassen einfach erklärt (inkl. Praxisempfehlungen)

Mehr Sicherheit beginnt bei der richtigen Ausstattung. Hier erfährst du, welche RC-Klasse zu deiner Lage passt, wie Beschläge, Glas und Griffe zusammenwirken – und wie du wirtschaftlich nachrüstest.

1. RC-Überblick: Was bedeuten RC1N bis RC3?

RC steht für „Resistance Class“, also Widerstandsklasse. Sie beschreibt, wie lange ein Element gezielten Einbruchsversuchen standhält – mit definierten Werkzeugen und Vorgehensweisen. Für Wohngebäude sind vor allem RC2/RC2N relevant.
  • RC1N: Grundschutz gegen körperliche Gewalt (Treten, Reißen, Schulterwurf). Kein besonderer Schutz gegen Hebelwerkzeuge. Glas ohne besondere Anforderungen.
  • RC2N: Erhöhter Grundschutz ohne zwingendes Sicherheitsglas; Beschläge mit Pilzkopfverriegelungen und verstärkte Schließteile. Sinnvoll für wenig exponierte Lagen.
  • RC2: Wie RC2N, jedoch mit Sicherheitsglas (VSG) auf der Angriffsseite. In Wohngebäuden der Empfehlungssstandard für EG und leicht erreichbare Fenster.
  • RC3: Höherer Widerstand gegen zusätzlichen Werkzeugeinsatz (z. B. Brechstange). Für besonders gefährdete Lagen oder gewerbliche Anwendungen.
Merke: Die Klasse gilt nur, wenn alle Komponenten und die Montage zusammenpassen. Ein einzelnes „RC2-Beschlagset“ macht noch kein RC2-Fenster.

2. Komponenten: Beschläge, Glas, Griffe, Montage

Einbruchshemmung entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Bauteile:
  • Beschläge: Pilzkopfverriegelungen greifen in verstärkte Schließteile. Anzahl und Position der Schließpunkte sind entscheidend, besonders an der Bandseite. Zusatzfunktionen wie Spaltlüftung sollten die Sicherheit nicht reduzieren.
  • Verglasung: VSG (Verbundsicherheitsglas) hält auch nach Bruch zusammen und erschwert das Eindringen. Für RC2 ist es obligatorisch auf der Angriffsseite; bei RC2N optional.
  • Griffe: abschließbare Fenstergriffe mit Anbohrschutz verhindern das schnelle Öffnen über den Griff.
  • Rahmen/Profil: Stabilität und Verstärkungen (z. B. Stahl) erhöhen die Aushebelsicherheit – wichtig bei großen Flügeln.
  • Montage & Anschluss: Ein schwacher Anschluss konterkariert jede Ausstattung. Die Verschraubung muss Kräfte in den Baukörper leiten; der Anschluss darf keine Hebelpunkte bieten.
Tipp: Achte auf geprüfte Systemkombinationen. Gemischte Komponenten ohne Nachweis erreichen die Zielklasse oft nicht.

3. Empfehlungen nach Gebäudebereich

Bereich Empfehlung Hinweis
Erdgeschoss, leicht erreichbar RC2 (Beschläge + VSG + abschließbare Griffe) Zusätzlich Lichtschachtroste/‑sicherungen prüfen
Hochparterre / Balkon RC2 oder RC2N je Exposition Zugang über Leitern bedenken; Rollläden erhöhen Sicherheit nur, wenn gesichert
Obergeschosse schwer erreichbar RC1N ausreichend Bei Leitern/Baustellensituationen temporär erhöhen
Gewerbe / exponierte Lagen RC3 erwägen Zusätzliche Mechanik und ggf. elektronische Sicherung
Fenstertüren (Terrasse, Balkon) benötigen besondere Aufmerksamkeit – hier passieren viele Einbruchsversuche. Prüfe Schwelle, Verriegelungshöhen und Zusatzsicherungen.

4. Nachrüsten: sinnvoll & wirtschaftlich

Eine vollständige RC2-Zertifizierung ist bei Bestandsfenstern nicht immer wirtschaftlich erreichbar. Dennoch lässt sich das Niveau deutlich erhöhen:
  • Nachrüstbeschläge mit Pilzköpfen und verstärkten Schließteilen
  • Abschließbare Griffe mit Anbohrschutz
  • VSG-Verglasung beim nächsten Scheibentausch
  • Zusatzsicherungen an Band- und Griffseite
  • Montageprüfung (Schrauben, Verankerung, Anschlussfuge)
Wichtig: Jede Maßnahme sollte systemgerecht sein. Bei großen Verbesserungen ist der Fenstertausch oft die langfristig sinnvollere Lösung – inklusive energetischer Vorteile.

5. Kosten & sinnvolle Pakete

Was kostet mehr Sicherheit? Richtwerte (je nach System, Größe, Region):
  • Upgrade RC1N → RC2N: +60–120 € pro Flügel (mehr Schließpunkte, verstärkte Teile, Griff)
  • RC2N → RC2 (inkl. VSG): +80–180 € pro Flügel (je nach Glasgröße)
  • Nachrüstset RC2‑nah: 90–250 € pro Fenster (ohne Glas)
Kombiniere Sicherheit immer mit einem dichten Anschluss – ein Hebelpunkt an der Laibung macht jede Ausstattung zunichte.

6. Checkliste Planung

  1. Lage & Erreichbarkeit je Öffnung bewerten (EG, Balkon, Obergeschoss)
  2. Zielklasse festlegen: RC1N / RC2N / RC2 (Wohnbau-Standard) / RC3
  3. Systemkombination wählen: Beschlag, VSG (Angriffsseite), Griff mit Anbohrschutz
  4. Montage definieren: Verschraubung, Verankerung, Anschlussfuge
  5. Optional: Rollläden/Abschattung prüfen (mit Sicherung), Außenbeleuchtung & Sensorik
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FAQ

Reicht ein abschließbarer Griff allein?Er erschwert das Durchdrehen des Beschlags, ersetzt aber keine Pilzkopfverriegelungen und kein VSG. Er ist nur ein Baustein.
Bringen Rollläden automatisch mehr Sicherheit?Nicht unbedingt. Ohne Sicherung lassen sie sich oft anheben. Motorisierte Systeme mit Sperre bieten mehr Schutz.
Was bedeutet „Angriffsseite“ beim Glas?Es ist die Seite, von der ein Angriff wahrscheinlich ist (meist außen). Hier fordert RC2 VSG.